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Die Bearbeitung von Diamant
erfordert eine jahrelange Erfahrung im Umgang mit diesem Material. Nicht
umsonst bekam der Diamant seinen Namen von seiner Härte (gr. Adamas: der
Unbezwingbare). Seine Schleifhärte ist 140 mal so hart als die des Korund.
Allerdings gibt es Härteunterschiede in der Kristallstruktur, weshalb der
Diamant überhaupt zu bearbeiten ist. Diese muß der Diamantschleifer,
-reiber oder -säger natürlich genau kennen.
Verfolgen wir einmal den Werdegang eines Brillanten. Entstanden ist der Diamant
in großer Tiefe (vielleicht 80 km oder mehr) bei einer Temperatur von
1100 bis 1300° C und enorm hohem Druck. Durch Eruption gelangt er mit dem
Muttergestein (dem Kimberlit) an die Erdoberfläche.
Hier wird der Diamant mit enormem technischem Aufwand abgebaut. Pro halbes
Karat Diamant muß 1 Tonne Muttergestein abgebaut werden. Von diesem
halben Karat hat dann nur ein Bruchteil die Qualität für
Schmucksteine. Der Rest ist Industrieware, die (falls schleifbar) in der
Werkzeugindustrie weiterverarbeitet oder (falls nicht schleifbar)zu Diamantpulver
(Schleifmittel usw.) gemahlen wird. Aus diesem hohen Aufwand schon bei der
Gewinnung resultiert natürlich der hohe Wert des Diamanten.
Gehen wir davon aus, ein Stein von vier Karat in feiner Schmuckqualität
gelangt in eine Schleiferei und wird dort weiterverarbeitet.
Als ersten Arbeitsschritt haben wir das genaue Begutachten und Vermessen des
Steines, um festzustellen welche Schlifform am besten geeignet ist, d.h. am
meisten Ertrag bringt. Angenommen der Steine ist am besten für den
klassischen Brillantschliff geeignet, so wird er als erstes in der Mitte
durchgesägt. So erhält man zwei Diamanten. Würde man den
Rohstein als Ganzes weiterverarbeiten, wäre der Verlust angesichts der
einzuhaltenden Winkel und Proportionen für einen schönen
Brillantschliff viel zu groß.
Nehmen wir einen der beiden und gehen zum nächsten Arbeitsschritt, dem
Reiben. Hier wird der Stein in einer Art Drehbank eingespannt und rund laufen
gelassen. Indem man nun mit einem anderen Diamanten der auf einem Kitstock
befestigt wurde, sanft gegen den sich drehenden reibt, wird dieser immer
runder. Dies wird solange fortgesetzt bis der Stein schön rund und die
Rondiste ausreichend stark zur Weiterverarbeitung ist.
Nun kommt der Diamantschleifer zum Einsatz. Im Prinzip arbeitet er noch wie vor
hundert Jahren auf einer horizontal laufenden Stahlscheibe, die mit
Diamantpulver besetzt wird. Nur die Werkstücke zum Festhalten des Steines
haben sich im Laufe der Zeit verändert. So wurden anfangs die Steine noch
in Bleidoppen gehalten, und für jede einzelne Facette mußte der
Stein umgekittet werden. Damals gab es sogar einen Beruf, der nichts anderes
beinhaltete als das Umkitten der Steine, sodaß der Schleifer schneller
weiterarbeiten konnte. Später folgten dann modernere Werkstücke in
die die Steine eingespannt werden konnten. Geblieben ist die sog. Zange, in die
das Werkstück, der sog. Doppe, mit einem eingedrehten Kupferstift
eingespannt wird. Durch diesen Kupferstift kann der Schleifer sich jede Facette
zurechtdrücken wie er Sie braucht, kontrolliert wird beim Schleifen jeder
Facette mehrmals mit einer 10 oder 15fach vergrößernden Lupe.
Für Brillanten gibt es noch den halbautomatischen Doppen. Er ist nicht mit
einem Kupferstift sondern fest installiert und läßt sich durch
verschiedene Gelenke und Rasten in alle Winkel die nötig sind einstellen.
Er gibt dadurch die Winkel des zu schleifenden Steines schon vor und sorgt
damit für eine optimale Proportion des Steines.
Als erstes wird die Tafel poliert und der Stein auf Ecken geschliffen, d.h. der
Schleifer bringt am Ober- und Unterteil vier Facetten an, dann folgt das
Schleifen auf Achtkant und schließlich das Brillantieren. Im Gesamten
erhält der Stein 57 Facetten und wird immer wieder vermessen, gewogen und
begutachtet, um die bestmöglichen Proportionen und
Schliffausführungen für die optimale Brillanz zu erhalten. Am Ende
erhält man aus dem anfänglichen Vierkaräter zwei
Einkaräter. Im Schnitt verliert ein Stein vom Rohstein zum Brillanten 45
bis 50 Prozent. Man sieht also, was an Aufwand und Erfahrung notwendig ist um
einen rohen, ungeschliffenen Stein in ein wunderschönes Juwel zu
verarbeiten. Dies setzt sich dann in den Fantasieschliffen fort, welche
teilweise mehr Facetten aufweisen als ein Brillant. Natürlich werden auch
kleinere Steine genauso bearbeitet wie die großen. Jetzt stelle man sich
vor, man hat einen Stein von 1,3 mm Durchmesser, was 1/100 Karat entspricht,
und dieser ist genauso genau geschliffen wie ein Einkaräter.
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